Werteorientierte Medien als zukünftiges Kulturgut

In vielen Ländern Europas, speziell jedoch in Deutschland, sowohl a) aufgrund demographischer1 als auch b) erstmals aufgrund soziologisch-konstitutiver Änderungen in den kommenden Jahren, soll anhand eines edukativen, gesundheitsökonomischen und gesellschaftsethischen Diskurs an dieser Stelle ein Abriss dargestellt werden, warum werteorientierte Medienproduktionen zukünftig von gesellschaftlicher Relevanz sein werden.

In Deutschland geht gegenwärtig eine Epoche zu Ende, die der Vf. als die Epoche der bezeichneten Rabenmütter2 determiniert. Jahrzehntelang mussten berufstätige Frauen mit kleinen Kindern innergesellschaftlich sich zum einen rechtfertigen, andererseits mit den u.a. auch daraus zu verzeichnenden Schwierigkeiten umgehen. So mussten Sie, zum einen aufgrund unzureichender und lückenhafter Angebote von Betreuungsplätzen, einen dieser Plätze für Ihre Kinder finden und sich gleichzeitig gegen den soziologisch immanenten Vorwurf verteidigen, sie vernachlässigten ja ihre Sprösslinge und beraubten jenen ihrer natürlichen Entwicklungschance3. Bereits unter der Regierung Helmut Kohls war zu verzeichnen, dass das damals eingeführte dreijährige Erziehungsurlaubsmodell zwar ein altes Familienmodell versuchte zu festigen, jedoch die gesamtdemographischen und gesamtökonomischen4 Probleme innerhalb der gesamtgesellschaftlichen Reflektion außen vor ließ. Erst die sozialdemokratische Familienministerin Renate Schmidt und ihre gegenwärtige CDU-Nachfolgerin Ursula von der Leyen5 passten die Familienpolitik an die gegenwärtig veränderten gesellschaftlichen Verhältnisse an, d.h. aufgrund der negativ zukünftig zu erwartenden Nachhaltigkeiten demographisch-bedingter Umstände.

In der Mehrheit müssen Frauen in Deutschland wohl (da geht aus zahlreichen Berichten hervor), so wie in anderen Ländern Europas auch, zukünftig ebenfalls berufstätig sein, um innergesellschaftlich auch die Renten-, Gesundheits- und Pflegeversorgung der Gesellschaft gewährleisten zu können. Bereits heute sind jedoch viele Frauen bereits, die in den 70ern und 80ern geboren wurden, lange Jahre berufstätig, bevor sie einen familientauglichen Partner finden und eine Familie gründen. Die klassische Hausfrauenehe steht dabei gesellschaftlich überhaupt nicht mehr zur Debatte und wird in den nächsten 20 Jahren gesellschaftsbedingt auch nicht mehr zum Tragen kommen können. Trotzdem wünschen sich Frauen und Männer auch Kinder – und für diese Kinder natürlich, qualitativ hochwertige Betreuungs-, Bildungs- und Kultureinrichtungen6, d.h. mit freundlichen, zugewandten und natürlich kompetenten Mitarbeitern. Bereits seit vielen Jahren wird das entsprechende Kinder-TV-Programm als Babysitter- und familiäres Gestaltungsprogrammsersatz7 betrachtet und genutzt. Verzeichnet man jedoch das gegenwärtige Kinder-TV-Programm, so erschließt sich, dass unbedingt das Angebot werteorientierter (edukativer und kultureller) Inhalte8 zunehmen sollte. Anders ausgedrückt:

Erörterung

Der Lebensweg von Menschen wird, wie in allen Epochen, weiterhin durch die soziale Herkunft mit bestimmt. Die Lebenschancen von Menschen sind in enormer Weise determiniert durch das, was sie als Kinder erleben und erfahren, dieses entwicklungs- und lernpsychologisch nachgewiesen sogar noch bevor sie überhaupt mit dem Schulsystem in Berührung kommen. Genau deshalb hat es ein Jahrhundert der deutschen Schulreformen nicht vermocht, die Wirkung der sogenannten sozialen Vererbung zu reduzieren. Genau deshalb diktiert noch immer der soziale Status der Eltern den individuellen Bildungserfolg, d.h. das entsprechende Einkommen und die Berufsaussichten von Kindern.

Aus sozialen Gründen, wie aus Gründen der Effizienz, muss diese sozial-immanente Geltung zurückgedrängt werden. Aus der Sicht der Individuen ist heutzutage unter lernpsychologischen Gegebenheiten, eine starke kognitive Ausgangsbasis die nachgewiesene Vorbedingung für Bildungserfolg überhaupt, d.h. Einkommen und Karrierechancen stehen diesbzgl. in Korrelation. Aus der Sicht der Gesellschaft ist es insgesamt unbedingt wichtig, dass die künftigen Generationen sowohl kompetent als auch produktiv sind, einfach deshalb, weil sie demographisch zahlenmäßig so klein sein werden, jedoch enorme transferabhängige Bevölkerungsgruppen dieses mittragen müssen. Diesbezüglich wäre weiterhin zu verzeichnen, dass wir innergesellschaftlich jedoch durch die neuen Medien eine Epoche seit den 90ern erleben, wie sie seit der Epoche der Industrialisierung, d.h. in der Dynamik, Mobilität und Geschwindigkeit ihrer Progressivität und Gesellschaftsveränderungen, nicht mehr vorgekommen ist. Wir können uns eine zukünftige Erwerbsbevölkerung schlechterdings nicht leisten, die vielleicht zu 20 bis 30 Prozent9 aus funktionalen Analphabeten und/oder Menschen ohne Sekundarschulbildung besteht, während auf der anderen Seite die Medienkompetenz und Medienreflektion mehr nur als gefragt sein wird. Medienkompetenz als Kulturkompetenz wird diesbezüglich eine entscheidende und wichtige Rolle spielen; werteorientierte Medien als Botschafter sog. neuer, d.h. semiotischer Medienkultur bzw. Digital-Culture10. Von daher ist, was in vielen Publikationen nicht beachtet wird, die Emerging Culture eine Digital Culture, die Ihre Progressivität inkl. Änderungen der semiotischen Strukturprinzipien durch die postpostmoderne New Media-Arbeitswirklichkeit verzeichnet.

Kann das Phänomen bekämpft werden?

In der Vergangenheit konzentrierte sich die Sozial- und Familienpolitik auf eine Reform der Erziehung. Nebenbei sei angemerkt, dass Bildungs- und Kulturpolitik differenziert wurden, was sich beispielsweise in Themen wie musikal. Früherziehung, Schwimmunterricht, etc. zeigt. Die schlechte Nachricht im Hinblick auf Bildungsreformen11 aber ist, dass die tatsächlichen Mechanismen, u.a. der sozialen Vererbung, im Sententiellen anderswo stattfinden. Die gegenwärtig vorherrschende Sicht ist, dass die Wirkungen von Schule und Nachbarschaft viel weniger wichtig sind als die auf das familiäre Milieu bezogene Faktoren.

Worin genau bestehen die Eigenschaften von Familien, die ererbte Lebenschancen auf Dauer stellen? Und wie lassen sich diese Eigenschaften mit politischen Mitteln beeinflussen?

Die gegenwärtige Wissenschaft stellt vor allem zwei kausale Mechanismen12 heraus: “Geld” und “Kultur/Medienkultur”. Das “Geld”-Argument bezieht sich auf die Theorie des Humankapitals und fragt nach der Fähigkeit von Eltern, entsprechend in die Zukunft ihrer Kinder zu investieren. Eine umfangreiche Literatur13 dokumentiert jedoch, dass die späteren Einkünfte von Kindern stark mit demjenigen ihrer Eltern korreliert. Aber einer der überraschenden Ergebnisse lautet, dass die Auswirkung der sozialen Herkunft in Ländern wie Großbritannien und den Vereinigten Staaten viel stärker ist als in Kanada, Skandinavien oder Deutschland. Das bedeutet, dass die Sozialvererbung in weniger egalitären Gesellschaften weitaus stärker intensiv ist. Weitere wissenschaftliche Ergebnisse zeigen, dass ökonomische Unsicherheit und Deprivation ernsthafte Negativeffekte auf die schulischen Leistungen und die damit späteren Einkommensaussichten von Kindern haben. Am alarmierendsten ist aber, dass Kinder, die in Armut und Unsicherheit aufwachsen, mit hoher Wahrscheinlichkeit ihrerseits wiederum arme Eltern werden. Lange Lebensabschnitte in Armut sind besonders schädlich.

Deshalb ist es von ganz zentraler Aussage, dass die Gesellschaft Perspektiven erhält, die aus der Armut heraus führt. Hier gilt einigen Studien zufolge: Die Mobilität aus dieser Armut heraus, steht in enger Wechselbeziehung zur gesellschaftlichen Ungleichheit insgesamt; in ungleichen Gesellschaften wie der amerikanischen existiert weitaus mehr Dauerarmut als in egalitäreren Gesellschaften14. Das alles zusammen heißt, dass ein Frontalangriff auf Armut in Familien mit Kindern ein effektives Mittel im Kampf um größere Chancengleichheit wäre. Das ergibt sich auch aus internationalen Vergleichen intergenerationeller Mobilität. Die beiden Autoritativsten dieser Studien15 ziehen denselben Schluss: Es hat im vergangenen halben Jahrhundert keinen realen Rückgang der sogenannten Sozialvererbung gegeben, weder im Hinblick auf Bildung noch im Hinblick auf Einkommen. Zugleich aber benennen beide Studien Schweden als Ausnahme von dieser Regel und determinieren eine Hypothese, dass dies ein positiver Effekt des ungewöhnlich egalitären schwedischen Wohlfahrtsstaates sein könnte. Tatsächlich gibt es Kinderarmut sowohl in Schweden als auch in Dänemark und Norwegen fast überhaupt nicht. Dauerhafte ökonomische Entbehrung und Unsicherheit sind vermutlich fundamentale, aber nicht hinreichende Ursachen geringer Lebenschancen. Sie sind elementare Ursachen deshalb, weil armen Eltern ganz einfach die Ressourcen fehlen, um beispielsweise die Zukunft ihrer Kinder planen und in die Zukunft ihrer Kinder überhaupt investieren zu können.

Nicht hinreichend bedeutet aber, dass sehr viel dafür spricht, dass gegenwärtig “medienkulturelle” Faktoren ebenfalls entscheidend sind, d.h. vor allem hinsichtlich der kognitiven und motivationellen Entwicklung von Kindern.

Evident ist, dass das “kulturelle/medienkulturelle Kapital” einer Familie einen großen Einfluss hat. Dabei gilt, dass “Kultur/Medienkultur” und “Geld” nur schwach korrelieren. Das wiederum heißt, dass eine Strategie, die auf Einkommensumverteilung setzt, womöglich nötig, aber nicht ausreichend ist. Eine effektive Sozial-, Familien-, Bildungs- und Kulturpolitik müsste zugleich die Ungleichheit der kulturellen und medienkulturellen Ressourcen angreifen, weil und insofern kognitive Fähigkeiten, u.a. auch auf den zunehmenden medienedukativen Bereich, immer bedeutsamer für die Lebenschancen der Menschen, d.h. der zukünftigen Gesellschaft sein werden.

Es ist somit zu verzeichnen, dass kognitive Fähigkeiten, d.h. die damit auch verbundene Medienkompetenz, der Schlüssel zu den Bildungsleistungen von Kindern sind16; sie sind zugleich die Vorbedingung für erfolgreiche Umschulung und Aktivierung im zukünftigen Erwachsenenalter. Weiterhin ist zu verzeichnen, dass die Erträge von Bildung steigen werden. Die Wahrscheinlichkeit zum Beispiel, dass Menschen der Übergang von sekundärer zu tertiärer Bildung gelingt, verdoppelt und verdreifacht sich unter denjenigen, die in Tests kognitiver Fähigkeiten gut abschneiden. Somit hätte man es mit einem Sachverhalt zu tun, in der die Herkunft der Eltern sowohl die kognitive Entwicklung wie die Bildungsleistungen der Kinder beeinflusst. Der Schlüssel liegt darin, eine Politik der Medienkultur auch diesbezüglich zu konzipieren, die den Einfluss ungleicher kultureller und kognitiver Ressourcen in den betreffenden Familien selbst beeinflusst. Das ist keine leichte Aufgabe, aber ein sehr suggestiver Hinweis ergibt sich aus internationalen Vergleichen der Wirkungen von elterlichem Sozialstatus auf die Bildungsleistungen von Kindern im Vergleich.

Wichtige Informationen durch Vergleiche innerhalb des Zeitverlaufs

War unser Land in der Lage, den Effekt der elterlichen Sozialvererbung zu verringern?

Die Statistiken zeigen diesbezüglich eher, dass es in den meisten Ländern überhaupt keinen Rückgang der Sozialvererbung gegeben hat; dies ist etwa in den Vereinigten Staaten, in Deutschland und Großbritannien der Fall. Im Gegensatz dazu haben die drei nordischen Länder Schweden, Dänemark und Norwegen erhebliche Rückgänge verbucht. Ganz besonders gilt das für Dänemark, wo die väterliche Ausbildung heute keinerlei Einfluss mehr auf die Sekundarschulleistungen der Kinder hat. Was frühere Forschung als schwedisches Ausnahmephänomen identifiziert hat, ist inzwischen zur gemeinsamen skandinavischen Wirklichkeit geworden17. Wie lässt sich das erklären?

Zweifellos sind die egalitären Bemühungen der nordischen Wohlfahrtsstaaten zur Reduzierung von Kinderarmut recht bedeutsam. Aber es gibt eine zweite, zur ersten nicht in Konkurrenz stehende Erklärung: Diese Länder, Dänemark voran, Norwegen als Nachzügler, setzen seit Jahrzehnten auf die allgemeine Versorgung mit Betreuungsmöglichkeiten und vor allem seit den 90ern auf edukativ-medienkulturelle Inhalte für Kinder im Vorschulalter. Bei nahezu ausgeschöpften weiblichen Erwerbsquoten, quer durch alle Bildungsgruppen, profitieren die Kinder aus wirtschaftlich und/oder kulturell schwächeren Haushalten grundsätzlich von denselben pädagogischen Standards und kognitiven Impulsen, wie Kinder mit privilegiertem Hintergrund. Deshalb bringen skandinavische Kinder bei der Einschulung, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft, weitgehend homogene Voraussetzungen mit. Genau dies ist, was Medien- und Kulturexperten betonen: Die allerwichtigste Phase der kognitiven Entwicklung liegt vor dem Schulalter. Kinder mit geringen kognitiven Ressourcen laufen Gefahr, im Laufe ihrer Bildungskarriere immer weiter zurück zu fallen, weil Schulen schlecht dafür ausgestattet sind, vorausgegangene Versäumnisse aufgreifen zu können. Größere Chancengleichheit ist nicht bloß aus ethischen oder gerechtigkeitspolitischen Gründen wichtig. Sie ist auch eine Bedingung für das Funktionieren der Gesellschaft von morgen. Deshalb ist es kein hinnehmbarer Zustand, dass sich das Phänomen der Vererbung sozialer Nachteile immer weiter, somit nachhaltig, fortsetzt. Größere Chancengleichheit kann, wie o.e., durch Sozial-, Bildungs- und Kulturpolitik geschaffen werden. Eine Doppelstrategie wäre diesbezüglich notwendig, die zum einen bestehen muss aus effektiven Garantien gegen Armut im Kindesalter, zum anderen aus Maßnahmen zur Angleichung der kognitiven Stimuli für Kinder im Vorschulalter, u.a. auch mithilfe entsprechender edukativer Medieninhalte und medienkulturellen Entwicklung, da jene durch die Audiovisualisierung gezielter multisensorisch ansprechen. Keineswegs wäre es so, dass es sich bei solch einer Angleichung um ein utopisches Projekt handelt. De facto ist eine Strategie für allgemeine und hochwertige Kinderbetreuung, kombiniert mit medienkulturellen und medienedukativen Inhalten gleich in doppelter Weise ein mögliches Gewinnerthema der Gesellschaft: Dieses hilft zukünftig soziale Lebenschancen zu verbessern und ermöglicht zugleich somit auch mehr Erwerbsarbeit von Frauen18. Kein Zweifel, diese Strategie erfordert ggf. beträchtliche Investitionen seitens des Staates, d.h. jedoch zum nachhaltigen Wohle der Gesellschaft. Aber die Kosten, die unserer Gesellschaft ggf. entstehen, wenn diese Investitionen nicht unternommen werden, dürften bei weitem höher liegen.

Dabei sind die finanziellen Kosten des hier vorgeschlagenen Vorgehens sogar ziemlich niedrig. Im Hinblick auf Einkommensgarantien für Familien mit Kindern gilt: Machte die Politik die Garantie an der Hälfte des durchschnittlichen Haushaltseinkommens fest, würden sich die zusätzlichen Kosten für den Staatshaushalt auf nicht mehr als 0,2 Prozent des staatlichen Haushalts belaufen (so einige sozialwissenschaftl. Überblicksstudien). Wenn die meisten Mütter jedoch erwerbstätig wären, lägen diese Ausgaben nicht in jedem Fall niedriger. Zu gewährleisten, dass Mütter berufstätig sein können, ist aber bei weitem die beste Perspektive aus der Armut. Am allerwichtigsten ist es also, in Kinderbetreuung und in die nötige dazugehörige medienedukative Bildungsangebote zu investieren. Ein umfassendes System, um hochwertige Kinderbetreuung und Medienkultur zu etablieren, ist zweifellos teuer, doch hierbei muss eine vernünftige Gesamtrechnung gegenüber gestellt werden: Wenn Frauen der Zugang zur Kinderbetreuung offen steht, sind die Unterbrechungen ihrer Erwerbskarrieren weitaus kürzer, was zu höheren Gesamteinkommen im Lebensverlauf führt. Berechnungen für das beispielsweise dänische System besagen, dass erwerbstätige Mütter die ursprünglichen Kosten der Kinderbetreuung selbst wieder einbringen, weil ihre langfristigen Erwerbseinkünfte, und damit ihre Steuerleistungen, weitaus höher liegen. Das Hauptargument gegen solche Überlegungen lautet, dass die Berufsintensität von Müttern/Eltern negative Auswirkungen auf die Entwicklung und die Schulleistungen ihrer Kinder haben könnte. Selbst wenn die Erwerbstätigkeit von Müttern positive Effekte haben sollte, weil sie wie o.e. Armut reduziert, muss dieses Ergebnis in der Tat abgewogen werden, nämlich gegen die Möglichkeit, dass die Beziehung zwischen Eltern und Kindern leiden könnte. Die bisherige Forschung zu dieser Frage liefert keine klaren Antworten. Diverse Überblicksstudien deuten stattdessen eher darauf hin, dass die Berufstätigkeit von Müttern überwiegend positive oder zumindest neutrale Wirkung hat, dass aber schädliche Effekte eintreten, wenn der Beruf Stress und chronische Ermüdung mit sich bringt.

Zwei auf britische statistische Daten gestützte Studien von John Ermisch19 und Marco Francesconi20 ziehen den pessimistischeren Schluss, dass sich die Vollzeiterwerbstätigkeit von Müttern klar negativ auf das Lernverhalten ihrer Kinder auswirke. Die Wirkungen von Teilzeitarbeit sind diesbzgl. weniger eindeutig. Die Interpretation dieser Ergebnisse wird dadurch erschwert, dass selbstverständlich auch die Erwerbsarbeit der Väter negative Effekte habe. Die vergleichenden Analysen der Pisa-Studien stützen jedoch John Ermisch und Marco Francesconi nur teilweise: Vollzeitberufstätigkeit von Müttern scheint in mehreren Ländern tendenziell negativen Einfluss auf die kognitive Entwicklung von Kindern zu haben, zugleich jedoch hat Teilzeitarbeit wiederum offenbar rundum positive Effekte.

Es ist zweifach wichtig, den Einfluss elterlicher Erwerbsarbeit angemessen zu analysieren. Zum einen hängt viel davon ab, wann sie im Laufe der Entwicklung eines Kindes stattfindet. Negative Wirkungen betreffen laut o.g. Artikel von John Ermisch und Marco Francesconi offensichtlich vor allem das jüngste Alter bis zum fünften Lebensjahr. Hinzukommt, dass sich schädliche Effekte eher aus der Art der Arbeit ergeben als aus der Tatsache mütterlicher Erwerbstätigkeit an sich. Zum anderen kann man annehmen, dass die Folgen mütterlicher Erwerbstätigkeit von Land zu Land aufgrund inkulturativer Unterschiede und Umstände verschieden ausfallen, und dort zu mehr Problemen führen, d.h. wo die außerfamiliäre Betreuung von Kindern niedrige oder unregelmäßige Qualität hat.

Die Analyse der Pisa-Studien zufolge jedenfalls existieren eindeutige nationale inkulturative Differenzen: In den skandinavischen Ländern scheint die Berufstätigkeit von Müttern, ob in Voll- oder in Teilzeit, nicht die geringsten negativen Effekte zu haben. Am Ende müssen wir ganz einfach akzeptieren, dass die Erwerbstätigkeit von Müttern in allen fortgeschrittenen Gesellschaften zu einem universalen Phänomen wird21. Die Herausforderung besteht deshalb darin, eine Politik zu entwerfen, die verhindert, dass diese gesellschaftlich-immanente Tatsache schädliche sekundäre Wirkungen hat.

Gesamtaufgabe moderner Familien- und Medienkulturpolitik.

Wenn es so ist, dass elterliche Erwerbsarbeit die negativsten Auswirkungen in der frühen Kindheit haben könnte, dann ist offensichtlich, dass die Politik freizügige und flexible Elternzeiten für Eltern kleiner Kinder diesbzgl. ermöglichen müsste. Insofern weist John Ermischs und Marco Francesconis Untersuchung auf, dass die Arbeit von Vätern ebenso problematisch sein kann wie die von Müttern, d.h. weist auf wichtige Substitutionseffekte zwischen Vätern und Müttern hin. Es kommt vermutlich weniger darauf an, wer bei den Kindern bleibt, als darauf, dass überhaupt jemand bei ihnen ist und welche Qualität die soziale Gemeinschaft und Struktur hat. Anders ausgedrückt: Hier liegt weitere argumentative Munition zu Gunsten von Elternzeitprogrammen, die von beiden Elternteilen wahrgenommen werden können.

Fazit

Das führt hiermit zurück zur Ausgangsfrage der Betreuung- und kognitiver Medienpolitik.

Wenn Betreuungspolitik nicht mehr wäre als eine Antwort auf die Forderungen von Frauen nach besserer Vereinbarkeit von Beruf und Familie, dann gäbe es essentiell keinen Grund, weshalb sich der Sozialstaat dabei um universell hohe Qualitätsstandards kümmern sollte; schließlich scheint, d.h. gemessen an Fertilität und weiblicher Erwerbsquote, z.B. in den Vereinigten Staaten diese Vereinbarkeit in ähnlich hohem Maße gewährleistet wie in Skandinavien. Die Verteilung jedoch vorschulischer Betreuung in Amerika ist ein Spiegelbild elterlicher Finanzkraft. Eine Minderheit genießt somit nur hochwertige Betreuung; der Rest muss sich mit informeller Betreuung, etwa durch die alte Dame von gegenüber, zufrieden geben oder ganz auf Betreuung verzichten. Deshalb erreichen amerikanische Kinder das Schulalter bereits in hohem Maße sozial geschichtet und vorsortiert. Nur deshalb weisen die Vereinigten Staaten so ungewöhnlich starke Korrelationen zwischen ihrer sozialen Herkunft und ihren Lebenschancen ihrer Bürger auf. Der zentrale Punkt ist jedoch, dass eine Sozial- und Familienpolitik des allgemeinen Zugangs zu qualitativ hochwertiger Tagesbetreuung für Kinder bis zum sechsten Lebensjahr erhebliche gesamtgesellschaftliche Perspektiven hat. Sie trägt offensichtlich dazu bei, das Problem der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu lösen, mit dem sich arbeitende, wie in der Einleitung erläutert, Mütter herumschlagen. Sie ist nachweislich ein effektives Mittel im Kampf gegen die Vererbung sozialer Nachteile und die Verarmung von Kultur- und Bildungskompetenz, welche wiederum die zukünftige Medienkompetenz einschließt. Anders ausgedrückt: Sie wäre nicht nur eine Win-Win-Sozialpolitik, sondern eine effektive Investition in die Chancen von Kindern und die zukünftige Produktivität unserer Gesellschaften.

Medienverhalten von Kindern

Computer wurden laut Statistiken diverser Medienverbände22 für Kinder und Jugendlichen in den letzten vier Jahren wichtiger als der Fernseher mit dem dazugehörigen TV-Programm-Angebot. Dies wurde von zahlreichen TV-Unternehmen (Sendern) bereits länger erkannt, so dass in Kooperation mit dem in Dt. größten Provider, die Etablierung von VDSL für 2007 fokussiert und bundesweit eingeführt wird. D.h. alle Medien werden über ein neues Internet vereint und verbreitet werden, d.h. TV, Video-on-Demand, Telefon, Games, Internet, Radio, etc. Gleichzeitig beabsichtigen einige private TV-Sender das Decodieren Ihrer Programme, um so andersweitig den Rezipienten auf VDSL zu verweisen.

Computer nehmen nachweislich im Leben junger Menschen einen immer breiteren Raum ein. Müssten sich Jugendliche für ein Medium entscheiden, würden 26 Prozent den Computer und jeweils 19 Prozent Fernseher und Internet wählen. Obwohl der Fernseher noch immer das am meisten genutzte Medium ist, wird er in der persönlichen Wichtigkeit der Jugendlichen erstmals durch den Computer vom Spitzenplatz verdrängt. Fast alle Jugendlichen haben zu Hause Zugang zu Computer (98 %) oder Internet (92 %). 60 Prozent der 10- bis 19-Jährigen besitzen einen eigenen Computer, 38 Prozent haben einen eigenen Internetanschluss im Zimmer, bereits 6-10 Jährige erhalten mehr und mehr Zugang an den PC ihrer Eltern. Der anhaltende Erfolg bei der Ausstattung und Nutzung von MP3-Playern zeigt den zentralen Stellenwert von Musik bei jungen Menschen im Kontext eines breitgefächterten Internetangebots: Um Musik hören zu können, nutzen 70 Prozent mindestens mehrmals pro Woche einen MP3-Player, 56 Prozent nutzen mit dieser Häufigkeit den Computer als Musikabspielstätte und Downloadstätte. Noch vor dem Arbeiten für Schule und Beruf und der Nutzung von Computerspielen stellt Musikhören die häufigste Offline-Tätigkeit am Computer dar. Den Jugendlichen steht in Form von MP3-Dateien ein beträchtliches Musikrepertoire zur Verfügung: 40 Prozent haben bis zu 100 Musiktitel gespeichert, ein Drittel kann aus 100 - 500 Titeln auswählen und ein Viertel hat mehr als 500 Titel zur Verfügung. Mehr als zwei Drittel aller Jugendlichen gehen mehrmals pro Woche oder häufiger online. Dabei wird das Internet vor allem als Kommunikationsmedium genutzt, die häufigsten Tätigkeiten sind der Austausch über Instant Messenger und E-Mail, mehr als ein Viertel der jugendlichen Onliner sucht aber auch regelmäßig Chatrooms auf. Betrachtet man die Internetnutzung unter den Aspekten Kommunikation, Information und Spiele, so entfallen nach Einschätzung der Jugendlichen 60 Prozent ihrer Nutzungszeit auf den Bereich Kommunikation, 23 Prozent auf die Informationssuche und 17 Prozent wird für Online-Spiele verwendet.

Das o.g. Konsumentenverhalten zeigt deutlich, dass eine noch gezieltere Rezipientenbindung in den nächsten Jahren über das sog. IPTV stattfinden wird.

Fasst man o.g. Aspekte zur Sozial, Bildungs- und Kulturpolitik zusammen, so sollte aufgrund o.g. Schildungen sehr dringend mehr in edukative Medieninhalte und werteorientierte Medieninhalte investiert werden, diese auch als Chance begriffen werden, um u.a. auch jeglicher Entsozialisierungsfaktoren, Ausgrenzungsfaktoren, möglicher Kriminalisierung, auch dem Bewegungsmangel, zunehmender gesellschaftl. Fettleibigkeit und zunehmenden Medienkodependenzen vorzubeugen. Die Medien müssen dabei als Ganzes betrachtet werden, d.h. als gesellschaftlich-kulturelle Chance zukünftiger Arbeitswirklichkeit. Den Beitrag den werteorientierte Medien dazu beitragen können ist eine klare Bildung der Medienkompetenz zu dem auch ein gesunder Medienumgang gehören sollte. Eine negative Konnotation der Medien/Neuen Medien bzw. die defizitäre Unterscheidung von Medien und Neuen Medien als solches, verhindert eher die erforderliche Einsicht und jeglichen diesbzgl. Dialog.

1“Demographische Rendite” als Unwort des Jahres 2006, Eine Studie der Prognos AG, die von der Robert-Bosch-Stiftung in Auftrag geben wurde und in Zusammenarbeit mit der WELT entstand, trägt den Titel “Demographie als Chance” und wurde Ende August 2006 veröffentlicht. Aufgrund kinderloser Lebensentwürfe von Millionen Bundesbürgern werden im deutschen Bildungssystem Gelder in Milliarden-Höhe frei. Bis zum Jahr 2020 entsteht laut dieser Untersuchung eine “demographische Rendite” in Höhe von 80 Milliarden Euro. Rechne man allgemeine Preis- und Lohnsteigerungen hinzu, dann ergäbe sich sogar ein Betrag von annähernd 100 Milliarden Euro. Rendite ist ein positiv besetzter Terminus, Rendite zu steigern ist jeder bestrebt. Am höchsten ist die “demographische Rendite” wenn man der nächsten Generation vollkommen Leben und Chancen verweigert. Dieser Begriff ist an Menschenverachtung kaum zu überbieten. Kinder sind Menschen und die Verweigerung Ihres Lebens und damit der wichtigsten Zukunftsinvestition kann nichts sein, welches eine positive “demographische Rendite” erbringt. Dieser Begriff beschönigt die der Kinderfeindlichkeit innewohnende hedonistische Raubbaumentalität, die uns die Zukunft unseres Gemeinwesens kosten wird.

2Der Begriff der „Rabenmutter“ ist sprachterminologisch in Europa einmalig. Entstehungsgeschichtlich wurden mit diesem Terminus Mütter bezeichnet, die ihre Kinder zur Adpotion freigaben. Seit den 50en jedoch wurde dieser Begriff jedoch gesellschaftlich so sozialisiert, dass auch diesbzgl. Mütter bezeichnet wurden, die neben dem Muttersein auch ihre eigene Persönlichkeitsentwicklung im Fokus hatten und z.B. Berufstätig waren.

3Thimm, Caja, Soziales im Netz,Wiesbaden 2000, S. 182ff.

4So ist das seit Jahrzehnten zu verzeichnende Modell der gesetztlich Krankenversicherten hinsichtlich der sog. Familienversichertenstatuten ein grundsätzlich gesamtgesellschaftliches Problem und in Europa einmalig. Aus diesem Grunde wird gegenwärtig in der Diskussion die sog. Kopfpauschale fokussiert. Hinzukommen Ehegattensplitting, die dem Staat horrende Steuereinnahmen verloren gehen lassen. Desweiteren konnte jeder Student auf Kosten des Staates (pro Student geht man von einer Summe von etwa € 150.000 aus, die der Staat subventioniert) ein Bildungsangebot beanspruchen, häufig jedoch investierten Frauen mit Kindern diese Subventionen dem gesellschaftlichen Wohl nicht wieder zurück.

5Ursula von der Leyen, Volkswirtschaftlerin und Ärztin, 7 Kinder. http://de.wikipedia.org/wiki/Ursula_von_der_Leyen

6Deutschland ist das einzige Land Europas, in dem Kindergärten rechtlich nicht als Bildungseinrichtungen, sondern als Erziehungs- und Betreuungseinrichtungen gelten. Die Folgen sind immens. Bildung muss aufgrund des Gesetzes jedem Bürger (jedem Kind) gratis gewährt werden.

7Preul Reiner, Kirche und Medien, Gütersloh 200, S. 172ff.

8Herrmann, Jörg, Sinnmaschine Kino – Sinndeutung und Religion im popularen Film, Gütersloh 2002, S. 100.

9Vgl. Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V.; www.alphabetisierung.de.

10Hermann, Jörg, Sinnmaschine, S. 30ff.

11Vgl. Pisa-Studien.

12David Chaffrey, Internet-Marketing, München 2001, S. 308f.

13Vgl. ebd. Litliste.

14Vgl. ebd., S. 475ff.

15The Constant Flux von Eriksson und Goldthorpe sowie Persistent Inequalities von Shavit und Blossfeld.

16Preul, Rainer, Kirche und Medien, S. 51f.

17Thimm, Caja, Soziales im Netz, S. 182ff.

18Vgl. Einleitung des Vfs.

19Vgl. John F. Ermisch, Chiara Pronzato (December 2006) ‘Intra-household Allocation of Resources: Inferences from Non-resident Fathers’ Child Support Payments’. Discussion Paper of Institute for the Study of Labor (IZA), paper 2006-2498 . Germany: Institute for the Study of Labor.

20Vgl. Marco Francesconi, From Parents to Children? Socioeconomic Attainment and the Role of Family Background (forthcoming) Report to the Anglo-German Foundation (with Stephen Jenkins and Thomas Siedler)

21Vgl. Einleitung des Vfs.

22Vgl. div. USF-Seminare und Skripte.

Ich lebe noch

Meinem Bein und Bruch geht es leider noch nicht besser. Ich habe versucht die Zeit zu nutzen, um meine letzte Dissertation final zu redigieren, d.h. zu überarbeiten, die Korrekturen meiner Theologenfreunde und das Vorwort meines Professors einzubinden und die gesamte Formatierung eben verlagstauglich zu gestalten. Eine Dipl. Designerin (vom christlichen Medienstammtisch) gestaltet z.Zt. das Cover bzw. den Buchumschlag, so dass wahrscheinlich noch vor meiner OP mein Buch released wird. Thema: Die negative Konnotation des Heidenbegriffes. Argumente gegen einen Paganismus und Gentilismus. 325 Seiten (1.0 Absatz) … Exegese bis zum Abwinken:-).

Bitte habt Verständnis dafür, dass ich nicht regelmäßig hier Fachliches mitteilen kann, zumal es Tage gibt, an denen ich aufgrund der Schmerzen und schlechter Nächte (ich kann nur auf dem Rücken schlafen, da mir den Nagel bei jeder Bewegung in den Hintern sonst piekst …. und dies als eigentlicher Seitenschläfer) wirklich groggy bin. Um die Zeit bis zum nächsten Mal etwas zu versüßen, füge ich im Anschluss einen längeren Artikel von mir ein, den ich Ende 2006 aufgrund einer Bitte einer Medienproduktionsfirma verfasste.

Kirche im Café

In diesem interdisziplinären Blog, mit bewusst fachlich-wissenschaftl. Anspruch, formulierte ich immer wieder einige Thesen bzgl. der Notwendigkeit, die bestehenden Ekklesiologien innerhalb der eigenen kirchlichen Traditionen im Kontext der gegenwärtigen Emerging Culture zu überdenken und formulierte einige kerndimensionale Inhalte bzgl. der vorzufindenden Determinationen und Definitionen von Form und Inhalt der gegenwärtigen Kirchen (u.a. Notwendigkeiten im Hinblick der gesellschaftl. Sprachbildung, sog. semiotischer Struktursysteme, aufgrund des Kontextes der gegenwärtigen Lebens- und Arbeitswirklichkeit, Emerging Culture = Digital Culture, etc.).

In der Idea Spektrum 23/2008 fand ich einen interessanten Artikel, den ich der Leserschaft nicht vorenthalten möchte: Kirche im Café (PDF).

Erzbischof im freien Fall

Ich habe einige Tage nichts mehr in den Blog geschrieben, nicht weil Italien gegen Holland eine Niederlage einstecken musste, eher weil ich abwarten wollte, bis Deutschland das erste Mal verliert. - Nur Spaß:-). Die Zeit heilt Wunden:-).

Vielmehr haben meine Frau und ich meine Beingeschichte aufrollen und zusammenstellen müssen, anschließend einige Ärztefreunde mit meinen Unterlagen beschäftigt; wie einige wissen, hatte ich im Dez. 2006 einen Oberschenkeltrümmerbruch mit einigen Folgen (viel zu langer Nagel, 3 cm Oberschenkelknochen einfach weg, der jedoch präoperativ noch vorhanden war, 3 cm Nagel der aus dem Knochen schaut und entsprechend zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führt, etc.), die eher aufgrund der OP entstanden sind. Der Bruch ist leider noch nicht verheilt, dadurch wurde meine OP um einige Wochen verschoben und nun geht es dank einiger guter Businesskontakte an die Presse.

Außerdem habe ich meine erste richtige VIP-Einladung (in einigen Monaten) bekommen; 2 Tage Ibiza, mit vielen Stars und Sternchen aus dem TV-, Presse- und Musikbiz, meine Frau darf ich als Begleitung mitnehmen und wir freuen uns auf dieses Erlebnis, zumal es unsere Passion ist, solche Menschen für Gott zu gewinnen. Von daher muss ich fit werden. Wer mich kennt, weiß, dass ich für diese Szene ein sehr großes Herz habe, ich mit den Jahren mehr und mehr in diese Szenen beruflich eintauchen durfte. Selten habe ich säkularisierte Menschen kennengelernt, die so offen für die Inhalte des christlichen Glaubens sind. Ich persönlich denke, dass Kirche unbedingt auch solche Leute in der Church haben sollte und vor allem auf solche kreativen, urbanen und transformativen Menschen einige Male ruhig hätte tiefer hinhören sollen. Immer wieder äußern diese m.E. berechtigte Kritik an den Inhalten der Kirche und der Form der Kirche. Ich bin immer wieder überrascht, wie viele von diesen Menschen durchaus auch aufgrund des persönl. Bibellesens, eine klare Vorstellung von dem haben, wie Kirche der Gegenwart eigentlich sein müsste, u.a. auch im Hinblick auf ehrliche, freundschaftliche und liebevolle Gemeinschaft.

Nebenher, wenn es mir die Schmerzen trotz Medikamente zulassen und ich einen freien Kopf habe, lenke ich mich geistig ab, indem ich meine beiden Dissertationen redigiere, damit diese hoffentlich bald dann in den Verlag kommen können (2 x je 400-450 Seiten) .

Außerdem habe ich ein kleines 1 x11 des geistl. Lebens für unsere Church-Gruppe vor einigen Tagen, für unsere Smallgroup, verfasst (8 Seiten). Falls Interesse besteht, maile ich es per Anfrage gerne zu.

Ich habe den o.g. Artikel Britischer Erzbischof im freien Fall (Kieler Nachrichten v. 07.06.) aufbewahrt, den ich ganz witzig fand … vor allem die Helmaufschrift des Tandemführers - ein Zufall :-)?

Theology Today und Lakeland

Kommt zu einer ähnlichen fachlichen und bibl.-theologischen Beurteilung der Lakeland-Phänomene.

Lakeland, Todd Bentley und die Engel - Teil 2

Nachdem ich einen kleinen Abriss über die Engel in diesen Blog stellte, ließ mir heute ein Freund diesen Link zukommen.

Ohne Kommentar stelle ich dieses Skript hier rein: An Angel Called Emma.

Außerdem eine Stellungnahme des christlichen Magazines Pro, welche zu einer ähnlichen Beurteilung der Phänomene kommt, wie ich diese in diesem Blog (bewusst fachlich) äußerte.


Predigt und New Media

Manch ein Leser wird ggf. mitbekommen haben, dass ich nicht nur die Neuen Medien liebe, sondern es mir ebenfalls wichtig ist diese zu gestalten, d.h. diese Arbeitswirklichkeit mit zu gestalten. Mit der Hoffnung, dass ich Ende des Jahres gesundheitlich wieder fit bin, erwäge ich im Bereich Mediensoziologie/Mediendiaktik nochmals etwas universitär nebenbei zu forschen, a) weil ich meinen prakt. Bezug einbringen kann und b) weil ich meine, dass im Rahmen der Geisteswissenschaften (besonders im Rahmen der Prakt. Theologie) zukünftig der interdisziplinäre Fokus aus (Prakt.) Theologie und Media Studies wichtig werden wird.

Als ich heute Mittag kurz die Sonne genoss, kamen mir einige Überlegungen:

Schon oft fand ich es paradox, dass Predigt vielerorts reine Monologe sind, waren sie es doch meist in der Umwelt des NT nämlich nicht. Ein Großteil der Neuen Medien und damit massenmedialen Kommunikationsmittel haben ebenfalls einen eher monologen Charakter bzw. schein-dialogen Charakter. TV-Formate mit scheinbar dialogen, Info- und Entertainment-Charakter (z.B. Talkshows) reden im Kern eigentlich weniger mit dem Gesprächspartner (Moderator-Talkgast/Talkgast-Moderator/Talkgast-Talkgast). Diskutiert wird eher über statt mit, als ohneeinander statt miteinander. Ich weiß nicht, wie Ihr das empfindet oder seht?

Im Kontext der Emerging Church / Emerging Culture und diesbzgl. auch wichtigen Homiletik-Thematik, finde ich interessant bei Pastorenkollegen div. trendy Churches zu beobachten, dass die häufig benutze massenmediale Kommunikationsstruktur gleichzeitig Feind und Freund ist. Je nachdem welche Ansprüche man an sich stellt, wird es den Prediger u.a. zu Fragestellungen führen, ob man a) eine personale Kommunikation führt, dann wäre diese Form als Massenmedium überfordert, oder ob sie b) ggf. als Massenmedieum dienen solle, dann würde dies bedeuten, dass der Prediger entschlossener als bis dato die Einweg-Kommunikation nutzen müsste, mit dem Fazit, dass sich selten daraus ein richtiger Dialog konstituiert (vgl. diesbzgl. auch mediensoziologische Überblicksstudien, die sich mit der Dialogentwicklung von Talkshows beschäftigen; vgl. Janowski, H.N.: Heiliger Geist im Varieté. Religion als Unterhaltung zwischen Zerstreuung und Erbauung, in ders. (Hg.): Die kanalisierte Botschaft. Religion in den Medien - Medienreligion 1987; vgl. Horst, A.: Die Religion der Massenmedien).

Ich habe in den vergangenen Monaten viel Zeit gehabt, mir neben div. Überblicksstudien zur Kirchenentwicklung auch einige mediensoziologische Schinken duchzulesen und diesbzgl. fand ich folgendes sehr interessant: Der Fachbereich Media Studies reagiert auf die Fragestellung nach dem Ertrag hinsichtlich der Erforschung der Wirkung auf die Rezipienten, z.B. wie bestimmte Produkte bei den Rezipienten ankommen. Ich kenne das aus meiner Arbeitswirklichkeit, wenn ich TV-Spots, Filme und Games vertonen musste oder aber Soundbranding (sog. Corporate Identity Soundlogos für Firmen/Produkte designen musste) und man mir die z.B. Länderreleases mitteilte, da mir bewusst ist, dass ein Japaner Musik/Audio anders hört als ein deutscher Rezipient und ein Italiener anders als ein Grönländer:-). Selbst beim Audiomastering gibt es Unterschiede. Von daher ist wie bei einer Predigt auch in der audiovisualisierten Medienlandschaft immer die Frage: Was wird aufgenommen und was wird von der eigentlichen Botschaft überhaupt verstanden? Die diesbzgl. Frage nach dem Inhalt, wird in der Frage nach den Wirkungen eines bestimmten Mediums in der Einheit von Inhalt und Gestalt verwandelt (interessant auch wg. der Bertelsmann Religionsmonitor 2008-Analyse, dass Menschen mit dem Inhalt und Form der Kirchen unzufrieden sind - ich schrieb ja einige Blogartikel zu diesem Thema). Es liegt m.E. im Kernbereich der Mediensoziologie zu erfragen, wie die Wirkungsfragen (nämlich, was kommt beim Rezipienten an) im Kontext mit einer anderen Frage erörtert wird: Was hört der Rezipient und was wird seinerseits leicht(er) aufgenommen? Diese Art der m.E. eher rezipientenorientierten Wirkungsforschung (ich kenne dies aus dem o.e. Kontext der Werbepsychologie und Psychoakustik) findet m.W. vor allem in der Werbeindustrie und noch zu wenig in der Homiletik/Predigtpraxis/Gemeindepraxis statt. Ich entdeckte ein älteres Werk von Niebergallis, F.: Wie predigen wir dem modernen Menschen?, der sich damit beschäftigte wie einzelne Module des Evangeliums (unterteilt in Motive und Quietive) auf die Menschen des 20. Jhd. wirken. Heute werden (und dem trägt ja auch die empirische Forschung Leistung) die Wirkungsfragen vor allem durch Leser- und Hörerumfragen, d.h. somit durch Media-Analysis und journalistischen und unternehmensberaterischen Experten beantwortet. Eine inhaltliche Kritik findet nur im Kontext mit solchen Urteilen statt, nämlich dahingehend: Was muss anders gemacht werden, damit es besser ankommt? Den Kirchen werden solche Gedanken aus dem Bereich der PR-Arbeit ja seit einiger Zeit nahegelegt (vgl. McKinsey-Studie i.A. der EKD). Oder aber die Kirchen solle sich ebenfalls als Produkt verstehen und nach den Gesetzen der Marktwirtschaft handeln, damit diese sich ins rechte gesellschaftliche Lampenlicht rücken können, um ihre Inhalte (das Evangelium und Diakonie-Dienstleistungen) anpreisen zu können.

Semipelagianisten

Ich greife die Fragestellung von Martin auf, der mehr zum Semipelagianismus wissen wollte.

Der Semipelagianismus ist ein sog. postumer, d.h. ein titulärer Begriff, der seine Ursprungsgeschichte aus der Konkordienformel (bitte anschauen) von 1577 bekam und insofern damals leider nicht sinnvoll ausgewählt wurde, weil dieser nur bedingt mit dem pelagianischen Streitgespräch des 5. Jahrhunderts n. Chr. im Kontext steht. Beim Semipelagianismus geht es im Zentrum sowohl um die Gnaden-, als auch um die Erwählungslehre des Augustinus (5. und 7. Jahrhundert n. Chr.) - auch genannt als Augustinismus. Der Kirchenvater kam durch seine paulinischen Studien (besonders Röm 9-11 - so wie Luther ja auch, wobei es bei Luther besonders mit Röm 1,17 Klick gemacht hatte), durch diverse Gespräche und Anfragen nordafrikanischer und südgallischer Mönche seit 426 zu negativen Ergebnissen und Auskünften über die menschliche Willensfreiheit und Verdienstlichkeit frommer Werke, die nicht nur dem damaligen Vulgärkatholizimus, sondern auch jenen Mönchen die Spucke im Hals stecken ließ. Ein Jahr später griff Abt Johannes Cassianus in Marseille, auf der Insel Lérins (vor Cannes), der Einsiedler Vinzenz Augustinus ohne Namensnennung an; beide voller Respekt vor dem Angegriffenen. Dessen Anhänger, namens Tiro Prosper von Aquitanien, der damals noch Mönch in Marseille war, polemisierte gleichfalls anonym gegen seinen Abt, gegen Vinzenz aber mit offenem Visier, und sorgte im Grunde somit dafür, dass die damalige südgallische Kirche das nächste halbe Jahrhundert über die heilspartikularistische oder universalistische Deutung christlicher Erwählung debattierte und somit den Semipelagianismus kirchlich und gesellschaftlich sozialisierte. Die darauf eingeleitete Synode von Arles im Jahr 475 ließ durch Faustus, der damals noch Abt von Lerinum war, später übrigens Bischof von Reji, ein theologisches Gutachten verfassen (de gratia Dei libri duo), das durchaus als das Hauptdokument des Semipelagianismus verstanden werden muss. In diesem Werk wird die heilsuniversalistische Position dargestellt, die angeblich dem kirchlichen Anspruch, dem soteriologischen (heilsgeschichtlichen) Weltuntergang und dem traditionellen Synergismus des Katholizismus entspräche.  Erst später, d.h. 529 n. Chr. kam es zur Verurteilung des Semipelagianismus auf der Synode von Orange unter Caesarius (wobei dieser eher durch kirchenpolit. Motive geleitet war), was dazu führte, dass man sich mit der Gnadenlehre Augustinus auseinandersetzen musste. Der Semipelagianismus verlor seine häretische Dynamik durch die bis dato vernachlässigte Gnadenlehre des Augustinismus. Kurze Randbemerkung: Gerade mit dem Augustinismus setzte Luther sich sehr intensiv auseinander (neben der Lehre Petrus Lombardus), weil der Ablasshandel ja eigentlich konträr zu diesem stand. Dass Luther seine eigene Kirche nicht mehr verstand, ist aus dem o.g. nun ggf. für die Leser verständlich.

Mit der Thematik des Pelagianismus übereinstimmend ist der Semipelagianismus auch gegenwärtig insoweit ein Thema, da folgende u.g. Fragestellung, dogmatisch häufig nicht einmal ausgewogen, sondern eher selektiv und oberflächlich gestellt und beantwortet wurden/werden:

  • Überbetonung der Gnade? Daraus könnte ja die Freiheit der menschlichen Natur, als Voraussetzung für die Heiligung des Menschen, gefährdet werden.
  • Der Semipelagianismus griff vom Pelagianismus auf, dass die Gnade von außen zur menschlichen Natur (Vernunft - wobei dieser schwere Begriff eine gesondertes Thema in der Dogmatik darstellt) hinzukommt.  In einigen Freikirchen ist sowohl das Glaubensverständnis als auch das Taufverständnis semipelagianistisch, da die Willensentscheidung und der aktive Part des Menschen im Zentrum der Aktion steht. Ließe sich an weiteren Details aufzeigen … wer im Dogmatiktutorium vor langer Zeit dabei war, weiß was ich jetzt meine … es finden sich aber auch in diesem Blog div. Inhalte zu dem Thema.
  • Augustinus hinsichtlich seines Fokusses auf seine o.e. paulinische Studien, verkündete dagegen die Universalität der Sünde und bestand darauf (der Mensch sei - so wie es auch Luther lehrte - homo pecatus), dass hinsichtlich des Heils, die menschliche Natur, einschließlich  ihrer Freiheit, “vergöttlicht” werden müsse (u.a. Adam-Christus-Typologie). Innerhalb der östlichen und der abendländischen Kirche gab es dann dogmengeschichtlich unterschiedliche Entwicklungen, die ich hier erst einmal heute nicht darstellen werde.

@ Martin: Weitere Tipps habe ich Dir ja gegeben. Ein wichtiger Grundstein ist und m.E. sehr inspirativ ist, sich mit der Lehre (Dogmengeschichte) Augustinus zu beschäftigen.

“Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche aus dem Glauben kommt und zum Glauben führt; wie geschrieben steht: Der Gerechte wird aus dem Glauben leben.” (Röm 1,17)

Buona sera

Die Montanisten

Nach den Aussagen des NT hat jeder Christ bestimmte Charisma zum Dienst der Kirche und der Welt geschenkt bekommen. Der leider immer wieder aufkommende Streit zwischen Kirche und Neo-Charismatikern (die Betonung liegt auf neo), aufgrund der fehlenden gesunden Lehre und nüchternen Ballance, ist so alt wie die Kirche selbst (vgl. u.a. Kor-Korrespondenz). Ich erwähnte vor einigen Tagen, dass es weitere solcher Auseinandersetzungen gab, u.a. im 2. Jahrhundert n. Chr., als sich die Bewegung der Montanisten konstituierte.

Einige Blogleser tickerten mich an und baten mich, neben dem verlinkten Wikipedia-Artikel, um einige weitere Infos zum Montanismus:

Der Montanismus ist benannt nach seinem Begründer Montanus, der Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. als endzeitlicher „Paraklet“ (vgl. diesbzgl. auch mit Joh 14,16) in einem phrygischen Dorf namens Ardabau auftrat. Diese Selbstbezeichnung war seinerseits gekoppelt mit jüdischen und jüdisch-christlichen Einflüssen, u.a. aufgrund der damaligen starken Naherwartung hinsichtlich des kommenden Tausendjährigen Reiches, unter dem in Phrygien erwarteten Christus. Intern galt in dieser Gruppe die Prophetie (vgl. 1. Kor 12 mit Did 11 - hier der Text) als endzeitliches Phänomen im Sinne der Deutung dessen als Spätphase der Weltenzeit und einer sehr baldigen Wiederkunft des Herrn.

Der Tod des Montanus und seiner zwei Prophetinnen, führte zu einer großen Krise innerhalb dieser Bewegung, da die von den Prophetinnen baldig verkündete Weltkatastrophe zu Lebzeiten nicht eintraf. Nach der Krise dieser Bewegung gründete man neue Kirchen in Kleinasien, Nordafrika (vor allem sehr gezielt in Karthago) und in Italien. Nun sprach der Paraklet bevorzugt durch visionär begabte Prophetinnen, wobei hier natürlich der tote Montanus gemeint ist, durch den der Hl. Geist weiter durch die Frauen sprach.

Die Offenbarungsreden Montanus sorgten intern für ein sehr strenges Regiment, die Kirchenzucht wurde mit aller Härte ausgeführt, u.a.:

  • Verbot der Wiederverheiratung

  • Xerophagien, d.h. Verbot des Tischweines

  • Verschärftes Fasten

  • Exkommunikation der Todsünder (Todsünde wurde definiert – vgl. u.g.)

Die Montanisten bezeichneten sich selbst als Kirche der „Geistlichen“ (spirituales) und die Großkirche als „psychici“, so dass sich daraus ein geisterfüllt-elitäres Selbstbewusstsein herauskristallisierte. Im Gegensatz zu den Großkirchen des 2. Jahrhunderts n. Chr. waren die Montanisten presbyterial konstituiert und verfassten diesbzgl. sogar eine Presybyterialverfassung, wobei diese mit einigen Besonderheiten verknüpft wurde:

  1. Man führte 3 Fastenzeiten im Jahr ein;

  2. Pfingsten wurde das Hauptfest des Jahres;

  3. Ostern am jüdischen Passahtermin, weshalb der bekannte Osterfeststreit ausbrach.

Die kleinasiatischen Kirchen der montanistischen Bewegung wurden bis zum 5 Jahrhundert n. Chr. straff organisiert und resignierten letztendlich und gaben auf.

In einem wissenschaftl. Aufsatz vor einigen Jahren, konnte ich aufzeigen, dass die katholische Todsündenlehre nicht auf Evagrius Ponticus (4. Jahrhundert n. Chr.) zurückgeht, sondern die von Ponticus erstmals in der Kirchen eingeführte Dämonologie, die seinerseits als die acht Gedanken und Dämonen bezeichnet wurden, welche einen Mönch heimsuchen können, ziemlich klar auf den Montanismus zurückgeht: gula, luxuria, avaritia, ira, tristitia, acedia, gloria und superbia ; übersetzt: Völlerei, Unkeuschheit, Habsucht, Zorn, Trübsinn, Faulheit, Ruhmsucht und Stolz. Diese installierte Dämonologie gab es bis dato weder zur Zeit des NT, noch in der jungen Kirche und wurde dann richtig gezielt unter Papst Gregor im 6. Jahrhundert n. Chr. gelehrt, der die mystische Vorstellung von den acht Dämonen auf sieben reduzierte, indem er den Dämonen Stolz und Ruhmsucht zum Dämonen Hochmut umbenannte und den Dämonen Traurigkeit und Faulheit den Dämonennamen Trägheit gab.

Literaturempfehlung: Kraft, H.: Die altchristliche Prophetie und die Entstehung des Montanismus: ThZ (1955), S. 249-271.

Lakeland, Todd Bentley und die Engel

Natürlich gibt es Esoteriker die gerne auf elfenähnliche Wesen stehen; man schaue sich diesbzgl. die Marktentwicklung und die Umsatzzahlen im Book-Genre bzw. Audiobook-Genre an (jährliche Umsatzsteigerungen von fast 20%).

Ich habe soeben einmal meine Bible Works 2007er Version ‘angeschmissen’ und einmal nachgeschaut. Defacto wird in der bibl. Überlieferung, ohne pseudepigraphische Schriften, 205 Mal über Boten Gottes geredet, d.h. melach (hebr.) und aggeloi (gr.) und nur vier Mal werden diesbzgl. Flügelwesen erwähnt, u.a. Ex 25, Jes 6, Hes 1 und Offb 4. Den semantischen LXX-Vergleich habe ich nun außen vor gelassen.

Interessant ist doch, dass in der Mehrzahl der bibl. Überlieferungen die Engel sehr menschlich daherkommen (also nicht so X-Factor mäßig) und erscheinen, so dass die Empfänger jener Botschaften sie in den meisten Fällen erst einmal nicht als Engel (des Herrn) erkannten (vgl. diesbzgl. Ri 6, 11ff) oder sogar “Engel beherbergten” (Heb 13,2). Mir ist somit kein Show-Charakter von Epiphanien bekannt, statt dessen erschienen jene ganz natürlich in dieser Lebenswirklichkeit. Es wäre aber nun fatal, jeden netten oder hilfsbereiten Menschen in sein Haus zu lassen. Zumindest bringen wir unserer Tochter bei, a) nicht mit jemandem mitzugehen, der nett erscheint und b) niemandem die Tür zu öffnen, wenn wir einmal nicht zuhause sind. Nach biblisch-theolog. Verständnis wird die Jenseitigkeit jener Wesen zur nichtmateriellen Welt, d.h. als nicht unserer Lebenswirklichkeit (im theolog. Sinne) zugeordnet verstanden und sie werden als “dienstbare Geister Gottes” (Heb 1,14) und als “Gottes himmlischer Hofstaat” (Offb 5,11) klar differenziert von Sterblichen dieser Lebenswirklichkeit. Wenn Engel also erschienen, so gab es immer zwei bibl. Merkmale: 1. Die Herkunft aus dem Jenseits (in netter friedfertiger Gestalt) und 2. die Sendung mit einer klaren Botschaft durch unseren personal verstandenen Gott, der daseinsbestimmende Wirklichkeit ist.

Und in welcher Art und warum spielt die Aussage des Engels “Fürchte Dich nicht…” (z.B. Lk 1,13ff) eine so wichtige Rolle, zumal diese Worte immer wieder im AT und NT zu entnehmen sind? Und etwas später in der Perikope wieder einmal recht nett und mit Stil: “Sei gegrüßt Du Begnadete!” (Lk 1,2 8)

Die bibl. bezeugten Erscheinungen hatten Stil, liebevollen und friedfertigen Charakter, und sind eben nicht á la X-Factor zu verzeichnen gewesen. Bitte untersucht mit einer Konkordanz “fürchtetet Euch/fürchte Dich nicht ….” - dann erklärt sich einiges. Unser Gott ist ein Gott des Friedens, der uns sicherlich nicht solche Alien-Stories zumutet:
Part 1 mit Todd Bentley

Part 2 mit Todd Bentley